Fachtexte, Essays, Geschichten und Rezensionen, vom Journal of Futures Studies bis zum eigenen Blog. Sortiert nach Art, innerhalb jeder Art die neuesten zuerst, zu jedem Text eine kurze Zusammenfassung.
Fachtexte
Beiträge für Journals, Plattformen und Bibliotheken der Zukunftsforschung. Sie richten sich an das Fach und fragen, wie Zukunftsforschung arbeitet und arbeiten sollte.
Essay Journal of Futures Studies, Juli 2026
Applied Critical Futures Studies: Stance Before Method
Der Essay fordert für akademische Zukunftsforschung und angewandte Foresight ein zusätzliches Qualitätskriterium: epistemologische Reflexivität. Gemeint ist die Fähigkeit, die eigene erkenntnistheoretische Haltung zu erkennen, ihre Grenzen zu verstehen und bewusst zwischen Haltungen zu wechseln. Jonas Drechsel stützt sich dafür auf Sohail Inayatullahs Unterscheidung prädiktiver, kultureller und kritischer Epistemologien sowie auf das Plausibilitätsverständnis von Nele Fischer und Sascha Dannenberg. Bestehende Qualitätskriterien prüfen laut Essay die methodische Ausführung, die Haltung dahinter bleibt ungeprüft. Als Praxisform stellt der Text den Kritik-Kreisel mit den Bewegungen Stören, Verstehen, Erkunden und Verändern vor, erläutert an einer EU-Foresight-Plattform und einem Szenarioprojekt für die Versicherungsbranche. Seine eigenen Grenzen benennt der Essay offen, etwa die Herkunft aus der deutschen Zivilgesellschaft und eine Evidenz aus rund neun Missionswerkstatt-Workshops, die auf Praxiserfahrung statt auf systematischer Dokumentation beruht.
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Fachbeitrag Futures4Europe, November 2024
Risks and merits of Decolonising futures
Der englischsprachige Beitrag gibt einen Überblick über die Debatte zur Dekolonisierung von Zukünften. Er beginnt mit den Arbeitsnotizen des Diaspora Futures Collective dazu, was Dekolonisierung von Zukunft umfasst, etwa das Hinterfragen von Methoden mit militärischem oder unternehmerischem Ursprung. Mit Tuck und Yang warnt er vor einem bloß metaphorischen Gebrauch des Begriffs, der historisch für die Rückgabe indigenen Landes steht. Jonas Drechsel zeichnet nach, wie die Zukunftsforschung das Thema seit über 50 Jahren bearbeitet, von Robert Jungk über Jim Dator und Sohail Inayatullah bis Ziauddin Sardar. Als Ansätze aus der Praxis nennt er die Causal Layered Analysis, Pupul Bishts Storytelling-Werkzeug und das Projekt Decolonized Futures. Sein Fazit: Zukünfte sind nie neutral, nicht-westliche Stimmen sind zu selten beteiligt und die vielen Initiativen sollten ihre Erfahrungen solidarischer verknüpfen.
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Factsheet Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, Robert-Jungk-Stipendium, September 2021
Möglichkeiten als Bedingung für andere, utopische Zukünfte
Das Factsheet dokumentiert, wie Jonas Drechsel als Robert-Jungk-Stipendiat seine Masterarbeit zur Zukunftsgestaltung in ein anwendbares Werkzeug übersetzt hat. Ausgangspunkt ist die These, dass Möglichkeiten für andere Zukünfte im Alltag wegen Routinen, Gewohnheiten und Denkfehlern oft übersehen werden. Mit Bezug auf Niklas Luhmann beschreibt der Text eine verwirklichte Utopie der Alternativlosigkeit, in der Systeme sich selbst reproduzieren. Zukunftsgestaltung beschreibt der Text in vier Schritten: den Status quo verstehen, unmöglich-wünschbare Alternativen entwickeln, handeln und den neuen Status quo erneut analysieren. Die ersten beiden Schritte bilden die Möglichkeitsgestaltung. Ergebnis ist ein Kartenspiel auf Miro mit 30 Karten, das die Themencluster der Masterarbeit in Fragen an den Status quo übersetzt. Die Grenzen des Prototyps benennt der Text selbst, darunter den schwierigen Einstieg und die hohe Abstraktion.
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Forschungsprojekt Masterstudiengang Zukunftsforschung, FU Berlin (Refubium), ISBN 978-3-944843-34-6, 2020
Zukünfte der Gruppenarbeiten: pluralistisch, transdisziplinär und gestaltend?
Das Forschungsprojekt aus dem Masterstudium fragt, was Menschen brauchen, um in Gruppen gut zusammenzuarbeiten. Ausgangspunkt waren eigene Erfahrungen im Jahrgang 2017 des Studiengangs, in dem die Bedeutung von Transdisziplinarität von Anfang an betont wurde. Methodisch folgt die Arbeit dem Ansatz transdisziplinärer Forschung der Leuphana Universität mit System-, Ziel- und Transformationswissen. Grundlage sind über 80 Karteikarten zu Themen wie Konstruktivismus, Kritikfähigkeit und Prozessdesign sowie elf rund vierstündige Gespräche mit Alltagsexpert*innen. Daraus entsteht ein Leitfaden für pluralistische, transdisziplinäre und gestaltende Gruppen. Er behandelt unter anderem Hierarchien, gemeinsame Ziele, Emotionen, Konflikte, Vertrauen und Reflexion, jeweils mit Zielfrage und Tipps an die Gruppe.
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Essays und Gastbeiträge
Texte für ein breiteres Publikum: Magazine, Fachportale und die Third-Wave-Gespräche. Sie übersetzen Zukunftsforschung in politische und unternehmerische Fragen.
Zwei Essays Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte und Einbildungskanal, 2024 und 2026
Demokratie und Community, weitergedacht
Zwei Texte über Räume, in denen Gesellschaft langsamer, gemeinsamer und handlungsfähiger wird. Der eine fragt, wie sich eine überhitzte Demokratie abkühlen lässt. Der andere erzählt, wie Vereine mit gelosten Räten zu Entwicklungsorten der Gesellschaft werden.
Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte 7/8, Juli 2026
Der Essay verbindet die Hitzewellen des Sommers 2026 mit einer politischen Erhitzung, in der Empörung die Orientierung ersetzt. Zahlen zum Berufshintergrund der Abgeordneten und zur Zufriedenheit mit der Demokratie zeigen, warum sich die Erzählung einer ausgehöhlten Demokratie für viele plausibel anfühlt. Rechte Erzählungen greifen laut Text echte Mängel auf und deuten ihre Ursachen falsch. Mit Kim Stanley Robinsons „Das Ministerium für die Zukunft“ zeigt Jonas Drechsel, dass Hitzeschutz konflikthafte Entscheidungen über Schatten, Entsiegelung und Parkplätze verlangt. Als Gegenmittel schlägt er Kühlstationen für die Demokratie vor: Bürger*innenräte, Zukunftswerkstätten nach Robert Jungk, Vereine und Nachbarschaften, die im Tempo des Verstehens arbeiten. Kurze Szenen aus dem Sommer 2035 in Berlin, Leipzig, Aachen und Halle zeigen, wie solche Räume aussehen könnten.
Einbildungskanal, März 2024, mit Ilan Siebert
Die spekulative Geschichte versteht Vereine und Communitys als Orte, an denen Gesellschaft entsteht. Sie schlägt geloste Community-Räte als niedrigschwellige Form der Beteiligung vor. Seb führt in seinem Billardverein einen Rat mit 20 ausgelosten Mitgliedern durch und stößt beim Community-Kongress 2028 auf die Skepsis anderer Vorstände. Persönliche Einladung, zwei Sonntage Zeit und eine klare Aufgabe machen den ersten Rat erfolgreich. Drei weitere Räte bringen später einen höheren Mitgliedsbeitrag und eine zweite Mannschaft hervor. Eine Vorsitzende eines IHK-Regionalverbands übernimmt das Format für ihre Geschäftsstelle. Der Text entstand mit dem Los-Aktivisten Ilan Siebert und endet mit dem Prinzip „good enough for now, safe enough to try“.
Zwei Gastbeiträge GREEN.WORKS, 2026
Zukunftsforschung für die nachhaltige Transformation
Zwei Teile einer dreiteiligen Serie für Nachhaltigkeitsverantwortliche. Der dritte Teil, Planet Centric Design in der Praxis, stammt von Georg Jänchen.
GREEN.WORKS, Februar 2026
Der Gastbeitrag richtet sich an Nachhaltigkeitsmanager*innen, deren Strategien an der Distanz zwischen Papier und Umsetzung scheitern. Jonas Drechsel stellt sieben Werkzeuge vor: Zukünfte als Verhandlungssache begreifen, konkret werden, Mythen aufdecken, Trends als Argumentationshilfe nutzen, Realutopien erzählen, Science-Fiction als Inspiration einsetzen und von Szenarien zu Missionen kommen. Als Beispiele dienen die vegetarische Wurst der Rügenwalder Mühle, Amsterdams Donut Economy und Kopenhagens Weg zur Klimaneutralität. Mit der Causal Layered Analysis sollen Weltbilder hinter den Positionen im Unternehmen sichtbar werden. Für die Kommunikation empfiehlt der Text Erfolgsgeschichten statt Forderungen. Am Ende steht die Unterscheidung zwischen abstrakter Vision und konkreter Mission mit Zwischenzielen, Ressourcen und Verantwortlichkeiten.
GREEN.WORKS, Mai 2026
Der Beitrag vertieft einen der sieben Hacks, die Arbeit mit Trends, am Beispiel Planet Centric Design. Human Centric Design fragt, was Menschen wollen, Planet Centric Design fragt zuerst, was der Planet braucht. Jonas Drechsel vergleicht diese Verschiebung mit der kopernikanischen Wende und nennt Bee Centric Design als greifbares Beispiel. In einem Research-Projekt für einen deutschen Konzern wurde der Ansatz als schwaches Signal sichtbar, weil gängige Rahmungen von Nachhaltigkeit dort als zu fordernd galten. Der Text argumentiert, dass Trendarbeit Wirklichkeit mitbaut und schwache Signale dafür besseres Rohmaterial bieten als überfüllte Megatrends. Strategisch relevant wird Planet Centric Design laut Beitrag, sobald die Frage nach dem Planeten die Frage nach menschlichen Wünschen rahmt.
Essay transform Magazin, zuerst auf dem Einbildungskanal, Dezember 2022
Wie wir Utopien verwirklichen
Der Essay beschreibt Zukunftsgestaltung als Dreiklang aus Utopie, Vision und realer Utopie. Jonas Drechsel erklärt ihn an der Genesung seines Vaters nach einem Arbeitsunfall. Historische Beispiele zeigen, dass Veränderung auf diesem Zusammenspiel beruht, von Arbeiter*innenkämpfen über den Volksentscheid zum Nichtraucherschutz bis zum Mindestlohn. Der Text formuliert die Formel „Zukunftsgestaltung = Möglichkeitsgestaltung + Realgestaltung“ und bezieht sich auf Erik Olin Wrights reale Utopien. Als Berliner Beispiele nennt er Kiezbett, Soulbottles, Mein Grundeinkommen, die Möckernkiez-Genossenschaft und geloste Bürgerräte. Zum Schluss gibt er fünf Empfehlungen, darunter Solidarität, Geduld und den Blick auf die eigene Gestaltungsmacht.
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Zwei Gesprächstexte Third Wave auf Medium, 2021
Third Wave Insight Talks
Als Senior Researcher bei Third Wave hat Jonas Drechsel Gespräche mit Kollegen zu Zukunftsthemen aufgeschrieben. Beide Texte halten den Stand eines Gesprächs über ein viel diskutiertes Zukunftsthema fest.
Medium, Dezember 2021, Gespräch mit Johannes Kleske
Der Text zeichnet die Geschichte der Metaverse-Idee nach, vom Cyberspace der Science-Fiction der 1980er über Virtual Reality bis zur Debatte um web3. Zentrale These ist, dass das Metaverse vor allem ein narratives Konstrukt ist, mit dem eine bestimmte Zukunft verkauft und Unausweichlichkeit hergestellt werden soll. Am Beispiel von Yuval Harari zeigt er, wie Kritik die Prämissen des Silicon Valley bestätigen kann, wenn sie dessen Zukunft als gegeben annimmt. Daraus folgt die Forderung, echte Alternativen zum Metaverse zu untersuchen. Varianten innerhalb des Metaverse reichen dafür nicht.
Medium, November 2021, Gespräch mit Igor Schwarzmann
Viele Menschen kaufen ihr Auto für seltene Extremfälle wie lange Urlaubsfahrten, obwohl rund 90 Prozent der Alltagsfahrten elektrisch leicht machbar wären. Plug-in-Hybride gelten im Text als Übergangstechnologie, deren Nutzen davon abhängt, ob im Alltag tatsächlich elektrisch gefahren wird. Weitere Themen sind die steuerliche Förderung von Dienstwagen, die Verbindung von E-Mobilität und autonomem Fahren und die ökologischen Folgen von Lithium-Akkus. Das Fazit: Der Mobilitätsmix der Zukunft braucht Subventionen für das, was Mensch und Umwelt nützt. Dazu kommt ein Verständnis für individuelle Sonderfälle.
Erzählen
Science-Fiction, Zukunftsreportagen und der Ausgangstext für White Mirror. Hier wird Zukunft erzählt statt erklärt.
Fünf Geschichten Einbildungskanal, Juni und Juli 2026
White Mirror Stories
Fünf Testläufe der Methode White Mirroring aus dem Future of News Fellowship am Media Lab Bayern. Jede Geschichte baut aus belegten Signalen der Gegenwart eine erreichbare Zukunft und erzählt sie über eine Figur. Mehrere Texte sind im Dialog mit Claude entstanden, das steht jeweils am Anfang.
Juni 2026
Im erfundenen Greifenau der frühen 2050er ist Demokratie mit Losverfahren und Versammlungen zur täglichen Übung geworden.
Juni 2026
Gegen das Narrativ „KI nimmt Illustrator*innen ihren Job“ erzählt die Geschichte von der Illustratorin Jule, deren Bilder ein Herkunftssiegel haben. Die Ausgangsthese stammt aus einem Workshop der Illustratoren Organisation.
Juni 2026
Eine Zukunftsreportage aus den nahen 2040ern über einen Betrieb in Verantwortungseigentum, erzählt über die Facharbeiterin Aylin, mit Quellenliste.
Juni 2026
Halle an der Saale im März 2033: Marit Czerwinski kuratiert Ratssitzungen, gegen das Narrativ „Jede Lage zerfällt in zwei Seiten“.
Juli 2026
Eine Reporterin aus 2026 reist ins Hagen der frühen 2050er, das seinen wirtschaftlichen Abstieg in die Rolle einer lernenden Stadt übersetzt hat.
White Mirror →
Zwei Kurzgeschichten Springer VS und One Day in 2050, 2024
Science-Fiction
Zwei Kurzgeschichten aus kommenden Welten, beide in Sammelbänden mit vielen Autor*innen.
Mit Johannes Wirz. Springer VS, Regenerative Zukünfte und künstliche Intelligenz, Band 2: PEOPLE, 2024
Das Gedankenspiel zeigt auf mehrdeutige Weise, wie dezentrale Utopien von unten für Mensch und Natur wertvoll sein können, auch wenn diese Prozesse umkämpft bleiben. Es dokumentiert die Lernreise der jungen Nuki, die bei allem Talent erst lernen muss, wie sie Veränderung anstößt. Im Hyperloop wirbt Snow bei ihr für einen mächtigen Technologieverbund. Eine Reisebegleiterin wirbt für ein Netzwerk von Städten mit Community-Ansatz. Nuki kommt vom Land, wo von den gefeierten Innovationen wenig angekommen ist und Hitze den Alltag prägt. Die Geschichte erzählt Veränderung als Wechselspiel aus Ermächtigung und Eigeninitiative. Ihre These: Menschen brauchen mächtige Unterstützung, um das Richtige machen zu können.
In: Clima Utopyas, One Day in 2050, eine von 25 Cli-Fi-Geschichten über eine utopische Gesellschaft im Jahr 2050, englisch, September 2024
Die Geschichte spielt am 4. Juni 2050 in einer Welt, in der BigTwenT, die zwanzig mächtigsten Konzerne und Staaten, Hand in Hand arbeiten und dabei den Draht zu den Menschen verlieren. Jane hat 25 prekäre Jahre auf dem Land hinter sich und fährt als Erste ihres Clans mit dem Hyperloop in eine Megacity des C200-Städtenetzwerks, das ländliche Regionen wieder anbinden will. Im Zentrum findet sie blinkenden Konsum und flackernde Hologramme. In einer Seitenstraße zeigt ihr eine junge Frau, wie die Bewohner*innen mit einer weiterentwickelten Liquid Democracy laufend über alles abstimmen, was gerade zählt. Mit dem Feedback der Community wird aus Janes loser Idee in wenigen Stunden ein konkretes Projekt, drei Freiwillige wollen sie begleiten. Ob es freigegeben wird und wie die Umsetzung zuhause gelingt, lässt die Geschichte offen.
Essay Einbildungskanal, Januar 2024
White Mirror: Ein Gedankenspiel mit Hoffnung
Der Ausgangstext für White Mirror entstand aus der Frage nach einer TV-Sendung, die es nie geben wird. Jonas Drechsel antwortet mit einem Gegenstück zu Black Mirror. Mit Fred Polak argumentiert er, dass Zukunftsbilder Anziehungskraft entfalten und Dystopien deshalb Hoffnungslosigkeit und Passivität verstärken. Ein hoffnungsstiftendes White Mirror darf für ihn kein perfektes Gegenbild sein, er fordert eine grau-bunte, stark kontextualisierte Utopie. Als Bezüge nennt er Judith Mangelsdorfs realistischen Optimismus und Erik Olin Wrights reale Utopien. Vier Geschichten aus seinem Umfeld dienen als Beispiele, vom Kiezbett aus regionalem Holz bis zur Möckernkiez-Genossenschaft. Auch ihre Schwächen kommen zur Sprache.
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Kurzgeschichte Einbildungskanal, für coronafutures.de, Mai 2020
2035: Ein Tagtraum
Der Text entstand als Beitrag für coronafutures.de und beschreibt einen utopischen Tag im Jahr 2035. Erzählt wird aus der Sicht eines etwa 50-jährigen Mannes, der in einem Kollektiv lebt. Ein bedingungsloses Grundeinkommen und ein Mindesttagessatz haben die Ausbeutung in der Gig-Economy beendet. Arbeitszeit ist nach Prozessen organisiert, Konflikte werden im Gespräch moderiert. Natürliche Rohstoffe aus der Region decken den Großteil des Bedarfs, Technik wird weiter sinnvoll eingesetzt. Die Gesellschaft hat nach Corona Macht und Herrschaft auf ein Minimum reduziert.
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Auf dem Einbildungskanal
Mein Blog seit 2020. Die Essays von 2026 sind im Dialog mit dem Sprachmodell Claude entstanden, das steht jeweils am Anfang des Textes. Die Reihe „Auf ein Wort“ nähert sich Begriffen, die ich wichtig finde.
Essay Einbildungskanal, Im Dialog mit Claude entstanden, Februar 2026
Was machen Zukunftsforscher*innen? Eine Bestandsaufnahme jenseits der einfachen Antworten
Der Essay beschreibt Zukunftsforschung als Feld verschiedener Praktiken ohne gemeinsame Standards. Wissenschaftliche, marktförmige und politisch-normative Logiken erzeugen jeweils eine eigene Zukunftsforschung. Das zeigt der Text an zwei Szenarioarbeiten zur urbanen Mobilität. Die Trennung von Analyse und Gestaltung löst sich in der Praxis auf, weil jede Zukunftsaussage in gegenwärtige Aushandlungen eingreift. Weil die meisten von Aufträgen leben, wirkt der Markt als Filter für zahlungskräftige Perspektiven. Gefragt ist deshalb der Wechsel zwischen Modi, Zukunftsforscher*innen arbeiten in den Zwischenräumen von Wissenschaft und Beratung.
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Essay Einbildungskanal, Im Dialog mit Claude entstanden, Februar 2026
Ohne Agency: Der Stuhl bleibt, wo er steht
Am Bild der nie umgestellten Stuhlreihe beschreibt der Essay fehlende Handlungsfähigkeit als Regelfall. Gewohnte Arrangements werden zu scheinbaren Gegebenheiten, verstärkt durch begrenzte Aufmerksamkeit und unausgesprochene Hierarchien. Als zweiten Mechanismus kritisiert der Text das Versprechen der Selbstoptimierung, das Anpassung als Ermächtigung verkauft. Zugleich warnt er Progressive davor, individuelle Verantwortung ganz abzulehnen. Agency entsteht laut Essay aus Begehren, der Wahrnehmung einer Diskrepanz und Handlungsvermögen, sie beginnt beim Ich und baut darauf ein Wir. Am eigenen Weg vom Einstieg in die Zukunftsforschung 2017 bis zur EU-Beratung 2022 zeigt Jonas Drechsel Agency als langfristiges Projekt.
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Essay Einbildungskanal, Im Dialog mit Claude entstanden, Februar 2026
Die Klimabewegung in der langen Dauer
Mit Fernand Braudels Konzept der langen Dauer untersucht der Essay die deutsche Klimabewegung entlang dreier Achsen: Staat, soziale Zusammensetzung und kulturelle Rahmungen. Der deutsche Korporatismus bindet Verbände und Grüne in Institutionen ein und belohnt Mäßigung. Kohle und Atomkraft haben die Bewegung geformt, der Atomausstieg 2011 erscheint als späte Verwirklichung eines Bewegungsziels. Der Kohleausstieg verlief schleppend, weil die Kohle die Gewerkschaften auf ihrer Seite hatte. Vom bürgerlichen Heimatschutz bis zu Fridays for Future bleibt die Bewegung laut Text von der Mittelschicht geprägt. Der Schluss stellt die fast halbierten deutschen Emissionen seit 1990 den weltweit um über 60 Prozent gestiegenen gegenüber.
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Essay Einbildungskanal, Im Dialog mit Claude entstanden, Februar 2026
Claude: Die Plausibilisierungsmaschine
Nach fast einem Jahr intensiver Arbeit mit dem Sprachmodell stellt Jonas Drechsel fest: Alles klingt plausibel, auch wenn es falsch ist. Das Modell erfand etwa Vornamen von Wissenschaftler*innen und Budgetzahlen. Der Text unterscheidet Plausibilität als Eigenschaft von Aussagen von Wahrheit als Beziehung zwischen Aussage und Welt. Er nennt fünf Warnsignale, die auch jenseits von KI gelten: Reibungslosigkeit, fehlende Herkunft, Austauschbarkeit, fehlende Gegenargumente und strukturelle Perfektion. Als Beleg dient der erste Entwurf dieses Textes, in dem das Modell aus einem Einzelfall eine Durchschnittszahl machte. Die Heuristik am Ende: Je wichtiger eine Entscheidung, desto mehr Reibung mit der Welt.
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Essay Einbildungskanal, Im Dialog mit Claude entstanden, Februar 2026
Handeln ohne Garantie: Für eine Ethik des Erkundens
Der Essay kritisiert die Forderung, erst eine Vision festzulegen und dann zu handeln. Bei komplexen Vorhaben entsteht Klarheit durch das Handeln selbst. Die in Anträgen und Strategien verlangte Wirkungsgarantie beschreibt der Text als Handlungsblockade. Mit Hannah Arendt unterscheidet er Handeln, dessen Ausgang ungewiss ist, vom Herstellen. Pierre Bourdieus Habitus und Herbert Simons begrenzte Rationalität stützen die These, dass Handeln unter Unsicherheit der Normalfall ist. Als Alternative schlägt Jonas Drechsel einen Sog vor: Qualitäten statt Zustände, Bilder statt Pläne, Sehnsucht als Kompass und Unvollständigkeit als Stärke. Eine Architektur der Hoffnung verbindet die Grundhaltung, dass es gut werden kann, mit realen Utopien und kritischer Zukunftsforschung.
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Essay Einbildungskanal, Im Dialog mit Claude entstanden, Februar 2026
Das sympathische Gesicht des Krieges: Florence Gaub und die Grenzen medialer Zukunftsforschung
Der Essay widerspricht der Freude in Teilen der Zukunftsforschung über Florence Gaubs mediale Sichtbarkeit. Er verortet ihre Laufbahn in sicherheitspolitischen Institutionen wie dem NATO Defense College und beschreibt ihre Arbeit als Strategic Foresight im Dienst von Institutionen. Ihrem Buch „Zukunft: Eine Bedienungsanleitung“ wirft er fehlende Bezüge zur Geschichte der Futures Studies vor. Dazu kommt eine Verschiebung im Diskurs: militärische Logik als Zukunftskompetenz, Aufrüstung als Normalfall und ein weicher Ton für ein liberales Publikum. Gaub erscheint als Symptom einer Medienlogik, die Selbstsicherheit belohnt. Offen bleibt, welchen Preis eine Disziplin für Sichtbarkeit zahlt, die sie nicht selbst kontrolliert.
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Essay Einbildungskanal, im Wort-Pingpong mit Julia Wallner, Juni 2021
Auf ein Wort #4: Zukünfte
Der Text plädiert dafür, von Zukünften im Plural zu sprechen. Die Rede von der einen Zukunft lenkt laut Jonas Drechsel von der eigenen Gestaltungsmacht ab, etwa wenn Märkte und Daten die Zukunft hervorbringen sollen. Mit Reinhold Popp argumentiert er, dass psychische Gesundheit die Fähigkeit voraussetzt, sich eine Veränderung zum Besseren vorzustellen. Er unterscheidet gegenwärtige Zukünfte, also heutige Bilder vom Kommenden, von künftigen Gegenwarten, auf die niemand Zugriff hat. Mit Jennifer Gidley fordert er, das Business as usual zu erkennen und herauszufordern. An Beispielen zeigt er, wie Unternehmen oder Expert*innen eine einzige Zukunft als gesetzt behandeln.
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Essay Einbildungskanal, im Wort-Pingpong mit Julia Wallner, Januar 2021
Auf ein Wort #1: Ambiguitätstoleranz
Der erste Text der Reihe „Auf ein Wort“ beschreibt Ambiguitätstoleranz als Fähigkeit, Vieldeutigkeit und Unsicherheit auszuhalten. Jonas Drechsel argumentiert gegen die frühe Deutung als festes Persönlichkeitsmerkmal, die Fähigkeit lässt sich trainieren. Polarisierung, etwa in der Corona-Debatte, lässt die Kommunikation abreißen. Mit Friedemann Schulz von Thuns Innerem Team zeigt der Text, dass Mehrdeutigkeit auch im Inneren eines Menschen wirkt. Beispiele reichen vom Film „Tenet“ bis zu einer Begegnung, in der ein erster Impuls zur Distanz einem Gespräch wich. Am Ende stehen die Grenzen der Toleranz bei verletzenden Äußerungen und Ursula K. Le Guins mehrdeutige Utopie als Vorbild.
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