Ambiguitätstoleranz
Ambiguitätstoleranz ist die Fähigkeit, Vieldeutigkeit und Unsicherheit wahrzunehmen und auszuhalten. Wer sie hat, schließt eine offene Lage weniger schnell ab und bleibt mit anderen im Gespräch, auch wenn deren Sicht unbequem ist. Für die Arbeit mit Zukünften ist sie Grundlage, weil mehrere Entwicklungen zugleich denkbar bleiben. Die Fähigkeit lässt sich üben.
Nach dem ersten Drittel stellt Christopher Nolans Film „Tenet“ alles bisher Gesehene auf den Kopf. Für einige Minuten haben die Zusehenden keine Chance zu verstehen, was gerade passiert. Dieses Bild steht in „Auf ein Wort #1“, dem ersten Text der Reihe auf dem Einbildungskanal, in dem Jonas Drechsel den Begriff 2021 beschrieben hat. Für ihn gehört Ambiguitätstoleranz zu Utopien mit sichtbaren Schattenseiten und zu Entscheidungen nach dem Prinzip „good enough for now, safe enough to try“.
Geprägt hat den Begriff Else Frenkel-Brunswik 1949, damals als festes Persönlichkeitsmerkmal. Ursula K. Le Guin gab ihrem Roman „The Dispossessed“ den Untertitel „An Ambiguous Utopia“.
Leitfragen
- Wo schließt ihr eine offene Frage zu früh?
- Welche Sicht im Raum fällt euch gerade schwer auszuhalten?